19 Regeln für gute Juraklausuren: Schwerpunktsetzung, Zeitmanagement, unbekannte Probleme

Ich konnte meine Juraklausuren deutlich verbessern, indem ich meine guten und schlechten Übungsklausuren analysiert und daraus eine Reihe von Regeln für meine Klausurbearbeitung entwickelt habe.

Wie diese Analyse funktioniert, kannst du hier nachlesen.

In diesem Beitrag teile ich mit dir die exakten Bearbeitungsregeln für Juraklausuren, die mir geholfen haben, die Noten meiner Examens(übungs)klausuren ganz massiv zu verbessern.

(Wichtig: Die untenstehenden Regeln für gute Juraklausuren gelten für das erste Staatsexamen. Meine Klausurregeln für das zweite Staatsexamen findest Du hier.)

Regeln zur Schwerpunktsetzung in Juraklausuren:

  • Markiere schon in der Lösungsskizze Schwerpunkte der Klausur. Du darfst nicht anfangen zu schreiben, bevor in deiner Lösungsskizze die Schwerpunkte markiert sind. So zwingst du dich zu einer guten Schwerpunktsetzung und vermeidest den Vorwurf, auch wichtige Stellen nur oberflächlich bearbeitet zu haben. Dies ist die wichtigste Stellschraube, die deine Klausur richtig gut (auch im wahrsten Sinne des Wortes) macht.
  • Bearbeite die in der Lösungsskizze markierten Schwerpunkte auf jeden Fall in sauberem Gutachtenstil und unter Einsatz der juristischen Argumentationsmethodik Wortlaut, Systematik, Telos. Argumentiere wenn möglich und sinnvoll zusätzlich mit dem Sachverhalt.
  • Lies unbekannte Normen langsam, gründlich, immer bis zu Ende und mindestens zwei Mal. Hier darfst du keine Zeit sparen. Wenn in einer Klausur unbekannte Normen relevant werden, liegt in ihnen häufig der Clou der Klausur.

Regeln zum Zeitmanagement in Juraklausuren:

  • Arbeite dich Schritt für Schritt durch die Fallbearbeitung. Konzentriere dich immer auf das Problem, an dem du gerade arbeitest, und lasse dich nicht von der Unübersichtlichkeit der Klausurgesamtheit überwältigen. 
  • Löse die Klausur erst komplett durch, und schreibe sie dann komplett herunter. Auf keinen Fall solltest du zuerst einen Teil der Klausur lösen, diesen dann ausformulieren und erst danach den Rest der Klausur lösen. So eine abgeschichtete Klausurbearbeitung wirft dein Zeitmanagement zu stark durcheinander. 
  • Wenn du – in Klausuren mit Zulässigkeitsprüfung – Probleme in der Zulässigkeit nicht auf Anhieb lösen kannst, mache zuerst deine Lösungsskizze für die Begründetheit fertig und löse die Zulässigkeitsprobleme nur, wenn danach noch Zeit ist. 

Regeln zum Umgang mit Unklarheiten in Juraklausuren:

  • Wenn dir etwas unklar ist oder komisch vorkommt, ist es im Zweifel auch als Problem gedacht. Lasse dich nicht also nicht verunsichern. Freue dich, das Problem erkannt zu haben und nutze die Gelegenheit, um deine Argumentationsfähigkeiten zu zeigen. Alleine dieser mentale „Shift“ kann deine Klausur um ganze Notenstufen heben. Denn plötzlich erkennst du den Klausurschwerpunkt als solchen und lädst dort richtig ab, anstatt über ihn hinwegzuschreiben.
  • Wenn du auf einen dir unbekannten Rechtsbegriff stößt, erarbeite dir schulmäßig mit der juristischen Auslegungsmethodik eine Definition. 
  • Gehe die juristischen Standardargumente Wortlaut, Systematik und Telos auch bei jedem Problem als Standard durch und zeige dem Korrektor dabei deutlich, dass du gerade den juristischen Argumentationskanon durchgehst. (Ich weiß, in der Theorie wissen wir das – aber im Eifer des Gefechts denkt man schnell nicht mehr dran. Das ist genauso wie mit den Obersätzen, dazu noch unten.)

Regeln zur Vorgehensweise in Juraklausuren:

  • Lies zuerst den Bearbeitervermerk, und erst danach den Sachverhalt. Dadurch weißt du besser, worauf du beim Lesen des Sachverhalts achten musst.
  • Lies den Bearbeitervermerk insgesamt mindestens drei Mal: Einmal ganz am Anfang, ein zweites Mal nach dem Lesen des Sachverhalts und ein drittes Mal spätestens nach dem Erstellen der Lösungsskizze, um sicherzustellen, dass deine Lösung die Aufgabenstellung vollständig beantwortet.
  • Notiere dir schon beim ersten Lesen des Sachverhalts deine initialen Ideen und Gedanken in ganz kurzer Form. Dann gehst du sicher, sie später nicht zu vergessen. Verwerfen kannst du sie später immer noch.
  • Halte deine eigentliche Lösungsskizze so knapp wie möglich. Benutze ein Abkürzungssystem, dass du in Übungsklausuren entwickelst und eintrainierst. Damit sparst du Zeit. Nutze deine Übungsklausuren dazu, hier die Grenzen auszutesten: Wie kurz kannst du werden, ohne dass du beim Ausformulieren nicht mehr weißt, was gemeint ist?
  • Bilde Obersätze. Vor allem am Anfang der Klausur sind sie wichtig, um dem Korrektor zu zeigen, dass du das juristische Handwerkszeug beherrschst. Gerade eigentlich starke Kandidaten neigen manchmal dazu, Obersätze wegzulassen, weil sie die dort enthaltenen Aussagen selbstverständlich finden. Korrektoren wollen die Obersätze aber trotzdem sehen und empfinden sie als Grundvoraussetzung für eine gute Juraklausur.
  • Setze lieber ein paar Absätze mehr als ein paar zu wenig. Absätze erleichtern dem Korrektor das Lesen. Stell dir vor, wie der Korrektor beim Lesen seine „Haken“ setzt und versuche deine Absätze so zu halten, dass er zu jedem Absatz einen Haken setzen kann. (Zugegeben, das ist eine Faustregel, da Korrektoren ihre Haken teils recht unterschiedlich setzen.)

Aufgabe zur Verbesserung deiner Examensklausuren:

Die obigen Regeln helfen dir, gute Juraklausuren zu schreiben. Wahrscheinlich setzt du viele davon schon automatisch um. Die meisten wenden aber nicht alle konsequent an. Du kennst dich selbst am besten: Suche dir aus der Liste drei Klausurregeln heraus, auf die du in deiner nächsten Übungsklausur besonders achten wirst.

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