Tipps für bessere Schriftsätze: So gelingt deine Klageschrift, Klageerwiderung oder Replik

Das Wort ist des Juristen Schwert.Seinen ersten Schriftsatz vergisst man nie. Bei mir war es eine baurechtliche Klage. Ich hatte damals gerade ein Jahr Jura studiert und befand mich in meinem ersten Praktikum.

Ich habe mich riesig über die Aufgabe gefreut. Es war aufregend.

Aber ich beneide den Associate nicht, der meinen Entwurf zur Überarbeitung bekam. Als er ihn mir mit „Änderungen nachverfolgen“ gekennzeichnet zurückgab, war mehr rot als schwarz. Sicherlich hätte es ihn weniger Zeit gekostet, das gute Stück von Grund auf selbst zu schreiben.

Seitdem hatte ich das Glück, für eine Reihe hervorragender Rechtsanwälte und Richter zu arbeiten. Diese haben mir viel über das Verfassen guter Schriftsätze beigebracht.

Natürlich lernt man nie aus, aber seit jener ersten Klageschrift konnte ich meine Fähigkeiten im Verfassen anwaltlicher Schriftsätze doch deutlich verbessern.

Meine Erkenntnisse und Erfahrungen möchte ich in diesem Artikel weitergeben. Ich hoffe, damit vor allem Referendaren in ihrer Anwaltsstation und Studenten beim Entwerfen (noch) besserer Schriftsätze zu helfen. Aber auch gestandene Anwälte mit vielen Jahren Berufserfahrung haben mir mitgeteilt, dass sie aus dem Artikel neue Ideen mitnehmen konnten, beispielsweise die unten vorgestellte PowerPoint-Methode.

Tipps für alle Arten anwaltlicher Schriftsätze

Egal ob vorprozessualer oder prozessualer Schriftsatz, ob Klageschrift, Replik oder Klageerwiderung: Die folgenden einleitenden Tipps gelten für alle Arten von anwaltlichen Schriftsätzen.

Erst planen, dann Feedback holen, dann schreiben

Jeder anwaltliche Schriftsatz steht und fällt mit dem Aufbau. Überlege dir deshalb zuerst eine Gliederung und Schwerpunktsetzung für deinen Schriftsatz. Wie willst du den Sachverhalt darstellen? Welche rechtlichen Argumente wirst du in welcher Reihenfolge und Ausführlichkeit ins Feld führen? Erstelle dir eine Gliederungsskizze und besprich sie mit deinem Ausbilder oder Vorgesetzten. Optimiere deinen Schriftsatzaufbau so lange, bis ihr beide vollauf zufrieden damit seid. Mache dich erst danach ans Ausformulieren.

Wenn du nämlich zuerst ausformulierst und anschließend den Aufbau grundlegend änderst, entsteht leicht ein Patchwork-Schriftsatz, dem man auf den ersten Blick ansieht, dass er nach dem ersten Entwurf auseinander gepuzzelt und in neuer Reihenfolge wieder zusammengesetzt wurde. Das lässt sich zwar beheben, kostet aber Zeit.

Wenn du hingegen zuerst einen grundsoliden Aufbau sicherstellst, kannst du danach einen Schriftsatz aus einem Guss schreiben, dessen Formulierungen sich an seine innere Struktur anschmiegen und den Leser ohne Stolpersteine zu deinem Ergebnis führen.

Dieser Grundsatz gilt allerdings mit gewissen Einschränkungen. Inwieweit dein erster Aufbauansatz es tatsächlich bis in die finale Version schafft, wird auch von der Komplexität des Verfahrens und der Dynamik des Sachverhalts abhängen. Vor allem in großen Verfahren bekommst du während des Verfassens eines Schriftsatzes hin und wieder noch weitere Sachverhaltsinformationen.

Das zwingt teilweise zum Überdenken des Aufbaus. Im Übrigen kommen einem gerade bei komplexeren Fällen während des Ausformulierens oft noch Ideen zur Optimierung der Struktur. Natürlich ist es sinnvoll, diesen nachzugehen.

Die Darstellungsregie übernehmen

ke7-fg4In den meisten Verfahren gibt es einen Schriftsatz, der das Geschehen und die Rechtsausführungen so schlüssig darstellt, dass er sich für den Richter als Ausgangspunkt seiner Arbeit anbietet. Der Richter liest diesen Schriftsatz und prüft dann, inwieweit die Darstellungen in anderen Schriftsätzen davon abweichen. Psychologisch sind damit letztere Schriftsätze mit den abweichenden Darstellungen automatisch in der Defensive.

Der renommierte Rechtsanwalt und Honorarprofessor Benno Heussen spricht deshalb in seinem Buch „Time Management für Anwälte“ (3. Auflage 2009, S. 179) von der Übernahme der Darstellungsregie. Den Schriftsatz, mit dem man die Darstellungsregie übernimmt, nenne ich den Referenzschriftsatz.

Zur Veranschaulichung hier ein vereinfachtes Beispiel, indem der Kläger Zahlung von 5.000 € Schadensersatz für eine Uhr verlangt.

In der Klageschrift schreibt der klägerische Anwalt:

„Der Beklagte ist der Bruder des Klägers. Am Abend des 13.04.2014 war der Kläger außer Haus. Dies wusste der Beklagte, da es sich um den wöchentlichen Skatabend des Klägers handelte.

Deshalb begab sich der Beklagte gegen 22 Uhr mit seinem Zweitschlüssel in die Wohnung des Klägers. Dort nahm er die goldene Taschenuhr des Klägers im Wert von 5.000 € aus der Nachttischschublade. Dann verließ der Beklagte die Wohnung wieder. Einige Tage später verkaufte er die Uhr auf dem Schwarzmarkt.“

(Beweisangebote und weitere Details spare ich zur Vereinfachung aus)

In der Klageerwiderung schreibt der Beklagtenanwalt:

„Der klägerische Vortrag ist nicht korrekt. Die Uhr stand nicht im Eigentum des Klägers. Der Beklagte hat sie nämlich von ihrem gemeinsamen Vater geerbt. Weiterhin war die Uhr auch nur 1.000€ Wert, da sie nicht aus Gold, sondern aus Silber war.“

(Beweisangebote und weitere Details spare ich zur Vereinfachung auch hier aus)

Wenn der Richter hier versucht, sich den Sachverhalt bildlich vorzustellen, kann er kaum anders, als dabei die „Story“ des Klägers vor Augen zu haben. Denn der Beklagte hat gar keine eigene Geschichte erzählt, sondern nur die des Klägers an einzelnen Stellen angegriffen.

Kurze Frage: Bist Du ...

Um sich ein besseres Bild machen zu können, wird der Richter den Beklagten bitten, seinen Vortrag zu substantiieren. Dann aber muss sich der Richter die Story des Beklagten aus mehreren Schriftsätzen zusammenpuzzeln. Der Referenzschriftsatz bleibt also beim Kläger.

Wie der Beklagte mit seinem Sachvortrag stattdessen um die Darstellungsregie kämpfen könnte, werde ich weiter unten bei den Ausführungen zur Klageerwiderung darstellen.

Der Take-away an dieser Stelle ist: Du solltest mit deinen Schriftsätzen um die Darstellungsregie kämpfen. Das gilt sowohl für die Sachverhaltsdarstellung als auch für die Rechtsausführungen. Damit sicherst du deiner Partei einen psychologischen Vorteil.

So einfach wie möglich schreiben

Wenn ein Richter eine Akte aufarbeitet, liest er sie in der Regel von hinten nach vorne, also den letzten Schriftsatz zuerst. Außerdem hat er einen Riesenstapel weiterer Akten zu bearbeiten und deshalb wenig Zeit. Er liest deine Schriftsätze also in der „falschen“ Reihenfolge und dann auch noch so schnell er kann.

Die Konsequenz für dich: Du musst so einfach, verständlich und übersichtlich wie möglich schreiben. Dazu folgende Tipps:

  • Schreibe kurze Sätze.
    Kurze Sätze lesen sich gut. Lange Sätze lesen sich schlecht. Komplizierte Gedanken kann man in viele kurze Sätze zerteilen. Dann versteht der Leser sie sofort.
    Demgegenüber lesen sich lange Sätze im Verhältnis zu kurzen Sätzen tendenziell schlechter, weil sich komplizierte Gedanken, vor allem wenn man schnell liest und sie in einem Satz mit komplexer Satzstruktur zu einem einheitlichen Ganzen verbunden werden, dem Leser nicht schon beim ersten Lesen erschließen, da sie ihm anders als dem Verfasser des Textes bis dato nicht bekannt sind und er deshalb nicht nur den Satzbau, sondern auch den Inhalt des Geschriebenen und dessen logische Struktur erfassen und verstehen muss.

    Siehst du, was ich meine?

  • Schreibe grundsätzlich im Aktiv.
    Das Passiv ist oft umständlich und ungenau.

    Die goldene Uhr des Klägers wurde gestohlen.
    Der Beklagte stahl die goldene Uhr des Klägers.

    Von dieser Grundregel gibt es allerdings Ausnahmen:

    1. Manchmal willst oder musst du bewusst offenlassen, wer etwas getan hat. Das lässt sich mit dem Passiv leicht umsetzen.
    2. Manchmal kannst Du mit dem Passiv auch eine bessere Betonung setzen. Baker McKenzie Partner Prof. Dr. Jörg Risse gibt in einem Artikel auf Lto.de dafür ein gutes Beispiel, welches ich hier minimal abgewandelt habe:

      Würdest du schreiben „Ein Hund jagt die Katze.“ oder „Die Katze wird von einem Hund gejagt.“?

      Das Passiv betont hier die Katze als Subjekt. Wenn du zu Katzenliebhabern sprichst und zeigen willst, was für ein armes Kätzchen das doch ist, wäre das Passiv deshalb besser geeignet.

      Alternativ könntest du durch eine andere Formulierung zurück zum Aktiv finden, beispielsweise „Die Katze flüchtet vor einem Hund“. Damit stellst du die Katze aber aktiver und mächtiger dar. Sie flüchtet, handelt also. Mit dem eben gezeigten Passiv-Satz positionierst du sie hingegen stärker als Opfer, das nicht selbst aktiv wird, sondern dem etwas geschieht.

  • Verwende keine unnötigen Substantive
    Der Diebstahl der Uhr des Klägers durch den Beklagten hatte einen Schaden des Ersteren zur Folge.
    Indem der Beklagte die Uhr des Klägers stahl, schädigte er diesen.
  • Bilde viele aussagekräftige Überschriften
    Dann findet der Richter schneller, was er sucht. Umso besser sich der Richter in deinem Schriftsatz zu Recht findet, desto eher wird er ihn als Referenzschriftsatz verwenden.
  • So viel nötig, so wenig wie möglich
    Kurze Schriftsätze werden gelesen. Wenige zitierte Urteile werden auch gelesen.

    Wenn du an unwichtigen Stellen zu viel schreibst, gehen die wichtigsten Punkte vielleicht unter. Wenn du viel halbrelevante Rechtsprechung zitierst, lenkst du von den entscheidenden Urteilen ab.

    Du willst mit deinen Schriftsätzen also die Darstellungsregie übernehmen, aber auch nur das schreiben und zitieren, was dafür erforderlich ist.

Spezielle Tipps für das Verfassen einer Klageschrift

Mit der Klageschrift kannst du gleich zu Beginn die Darstellungsregie übernehmen. Diese Chance solltest du in der Regel wahrnehmen. Dazu ein paar Tipps:

  • Aufbau
    Sachverhaltsdarstellung und Rechtsausführungen solltest du in der Klageschrift immer trennen. Den Sachverhalt solltest du in der Regel chronologisch aufbauen. Als Alternative kann es sich in Einzelfällen anbieten, verschiedene Handlungsstränge nacheinander darzustellen. Allerdings ist es dann oft schwer, die Verknüpfungen der Handlungsstränge gut abzubilden.
  • Einleitung bilden
    Bei umfangreichen Sachverhalten ist es oft sinnvoll, vor der Sachverhaltsdarstellung einen Gesamtüberblick über Sachverhalt und Rechtslage zu geben. Dadurch kann der Richter später beim Lesen die Details gleich in den Gesamtkontext einordnen.
  • Umgang mit vorprozessualen Einreden
    Wenn du vorprozessuale Einwände des Gegners vorweg nimmst, wird es dir oft leichter fallen, die Darstellungsregie im Laufe des Prozesses zu verteidigen. Denn in diesem Fall schaffst du mit der Klageschrift schon ein vollständiges „Nachschlagewerk“ für den Richter.

    Außerdem kannst du die gegnerischen Einwände dann so darstellen, wie du es möchtest. Auf der anderen Seite riskierst du aber, dich mit den Einwänden selbst unschlüssig zu machen. Diese wichtige Weichenstellung solltest du unbedingt mit deinem Ausbilder oder Vorgesetzten besprechen, bevor du die Klageschrift ausformulierst!

  • Grafische Hilfsmittel
    Manchmal ist es klug, in der Klageschrift grafische Hilfsmittel wie Zeitleisten, Tabellen oder Organigramme zur Veranschaulichung einzusetzen.
  • Fazit geben
    Häufig geben Anwälte auch am Ende der Sachverhaltsdarstellungen noch einmal eine Art Zusammenfassung oder ein Fazit. Dort solltest du konzentriert diejenigen Fakten wiedergeben, die für die rechtliche Bewertung am wichtigsten sind.

Spezielle Tipps für das Verfassen einer Klageerwiderung

Entreiße dem Kläger die Darstellungsregie

Die Klageerwiderung birgt eine besondere Herausforderung: Der klägerische Anwalt hat mit der Klageschrift die Darstellungsregie übernommen. Du musst jetzt versuchen, sie ihm mit der Klageerwiderung wieder zu entreißen.

Deshalb solltest du dich in der Regel nicht der Struktur der Klageschrift fügen, sondern für deine Klageerwiderung eine eigene Struktur entwickeln.

Allerdings ist das leichter gesagt als getan. Man rutscht erstaunlich leicht in die Struktur der Gegenseite hinein. Hier daher ein paar Tipps, um deine eigene, unabhängige Schriftsatzstruktur zu entwickeln:

  • Aufbau
    Unterteile auch die Klageerwiderung nach Sachverhaltsdarstellung und Rechtsausführungen. Nur so kannst du in der Sachverhaltsdarstellung eine eigene, zusammenhängende Geschichte erzählen und deine rechtlichen Ausführungen mit der notwendigen Freiheit strukturieren.
  • Einleitung bilden
    Gib auch in der Klageerwiderung zunächst einen Überblick über Sachverhalt und Rechtslage, wie sie sich aus Beklagtensicht darstellen.
  • Vorgehensweise: Die Zettelmethode
    Bevor du dich an den Aufbau deiner Klageerwiderung machst, zerstückele den Fall in seine Einzelteile. Öffne dazu Powerpoint und erstelle dir eine Folie für jeden Problemkreis. Fasse die Problemkreise möglichst klein. Notiere dir auf jede Folie die entsprechenden Argumente zu diesem Problemkreis.

    Nun kannst du die Folien beliebig schieben und tauschen, oder auch Argumente zwischen Folien hin- und her bewegen. Dadurch stellst du sicher, dass dein Aufbau auf deinen eigenen Überlegungen und nicht auf der gegnerischen Struktur beruht.

    Statt Powerpoint Folien kannst du natürlich auch Papierzettel nehmen. (Diese Zettelmethode habe ich ebenfalls von Prof. Dr. Benno Heussen in „Time Management für Anwälte“. Dort stellte er eine noch ausdifferenzierte Version vor. Ich habe das für mich etwas vereinfacht und mit Powerpoint digitalisiert.)

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  • Grafische Hilfsmittel
    Wie bei der Klageschrift kann auch bei der Klageerwiderung der Einsatz grafischer Hilfsmittel sinnvoll sein.
  • Fazit geben
    Ebenfalls wie bei der Klageschrift kann es auch bei der Klageerwiderung klug sein, den Sachverhalt aus Beklagtensicht vor Beginn der Rechtsausführungen noch einmal zusammenzufassen.
  • Beispiel: Der Streit um die Uhr
    Um dem Kläger die Darstellungsregie in unserem Uhrenfall von oben wieder zu entreißen, könnte der Beklagte den Sachverhalt beispielsweise wie folgt darstellen:

    „Anders als der klägerische Vortrag suggeriert, liegt dem Sachverhalt kein Einbruchsdiebstahl, sondern eine Erbstreitigkeit zwischen Brüdern zu Grunde.

    Der Vater der Parteien war Eigentümer einer silbernen Taschenuhr, welche er stets in seinem Nachtschrank aufbewahrte. Er hatte zu Lebzeiten immer gesagt, dass er die Uhr seinem liebsten Sohn vermachen werde.

    Im Januar 2014 ist der Vater der Parteien verstorben. In seinem Testament hat er die silberne Taschenuhr dem Beklagten vermacht. Dies hat den Kläger schwer getroffen. Er hat gegenüber dem Beklagten mehrfach geäußert, dass die Uhr eigentlich ihm zustehe, weil er den Vater in der Zeit vor dessen Tot gepflegt habe.

    Im Februar 2014 ging der Beklagte in die Wohnung seines Vaters, um die Uhr an sich zu nehmen. Die Uhr befand sich jedoch nicht mehr in dem Nachtschrank, obwohl der Vater sie dort zu Lebzeiten nie herausgenommen hatte.

    (…)“

    Man kann sich schon denken, wie es weitergeht. Der Anwalt müsste eigentlich gar nicht mehr schreiben, dass der Kläger die Uhr aus Eifersucht an sich genommen hat und der Beklagte sich nur zurückgeholt hat, was ihm zusteht. Der Kläger ist nun wieder in der Defensive. Die Darstellungsregie ist zurückerobert.

Eine Ausnahme

Vor allem bei einfachen, im Wesentlichen unstreitigen und von dem Kläger auch aus Beklagtensicht schon ziemlich vollständig dargestellten Sachverhalten kann es sich auch anbieten, nur streitige Punkte aufzugreifen.

Spezialtaktik: Zerstören und Verschleiern

Manchmal bekommt man eine Klage und ist so eindeutig in der schwächeren Position, dass der Aufbau einer stabilen eigenen Struktur ausscheidet. Wenn der Mandant sich trotzdem gegen die Klage verteidigen möchte, greifen manche Anwälte in die Trickkiste:

Sie fahren mit ihrer Klageerwiderung eine rein destruktive Strategie. Das primäre Ziel ist dabei nicht mehr, eine eigene schlüssige Argumentation aufzubauen. Stattdessen versucht der Anwalt einfach nur, den gegnerischen Vortrag zu zerstören.

Er bestreitet in der Klageerwiderung umfangreich, trägt teilweise neben der Sache vor, zitiert tonnenweise halbrelevante Rechtsprechung und wirft die Argumente aus der Klageschrift heillos durcheinander. Dann hofft er, dass die Schwachstellen der eigenen Position in diesem Wirrwarr untergehen.

Die Klageerwiderung fungiert hier also als Rauchbombe, in deren Schutz der Anwalt seinen Mandanten in Sicherheit bringen will.

Falls du eine solche Taktik tatsächlich anwenden willst, solltest du das natürlich unbedingt vorher mit deinem Ausbilder oder Vorgesetzten besprechen.

Spezielle Tipps für die Replik

Wie man die Replik aufbaut, hängt erstens vom vorangegangenen Schriftwechsel ab und ist zweitens Geschmackssache. So trennen manche Anwälte in der Replik Tatsachenvortrag und Rechtsausführungen, andere hingegen nicht.

Oft wird man nur noch auf einzelne Punkte eingehen müssen. Wenn die Klageschrift aber schwach und die Klageerwiderung stark ist, musst du unter Umständen mit der Replik noch einmal um die Darstellungsregie kämpfen.

Schlusswort

Gute Schriftsätze muss man üben. Lies deshalb alle guten Schriftsätze, die du in die Finger bekommen kannst. Schreibe möglichst viele Schriftsätze selber. Arbeite mit guten Prozessanwälten zusammen. Von ihnen kannst du viel lernen. Und, ganz wichtig, bitte deine Ausbilder und Vorgesetzten immer um Feedback.

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